Nevada

Bonanza, Captain Kirk und das Seeungeheuer

Nevada ist einer der wenigen Bundesstaaten, in denen man sich bestens in die Zeit des Old West hineinversetzen kann: Alte Saloons, verlassene Bergbaustädte und Wildpferde. Der Geist vergangener Tage schlummert in vielen Ecken. Wem das allerdings zu idyllisch ist, der findet nebenan die Glitzermetropolen Reno und Las Vegas. Spannende Gegensätze in nur einem Bundesstaat!

Vorbei an der Hauptstadt Carson City fahre ich durch die urige, alte Westernlandschaft mit Mustangs und wilden Eseln. Hier würden Cowboys, Indianer und Planwagen auch heute noch gut ins Bild passen. Das Städtchen Virginia City war 1860 als reichste Stadt der Welt bekannt: Gold und Silber sorgten für einen schnellen Aufschwung. Mein Weg führt mich über Holz-Gehwege durch alte Saloons mit altertümlichen Balkonen. Mark Twain begann irgendwo hier seine Karriere als Autor.

Bonanza oder doch das Seeungeheuer? 

Nur 25 Minuten von Reno entfernt liegt das Mount Rose-Skigebiet auf 2.517 Meter Höhe. Ein Paradies im Sommer zum Wandern, Mountain-Biken, Golfen sowie im Winter zum Skifahren und Snowboarden. Im Tal liegt der traumhafte Lake Tahoe immerhin noch auf 1.800 Meter Höhe. Bekannt ist er durch seine tiefblau erscheinende Wasseroberfläche. Im See soll, ähnlich wie im schottischen Loch Ness, auch ein Seeungeheuer wohnen: Tessie. (Über Einfallsreichtum bei der Namensfindung lässt sich streiten.) Der ebenfalls medienscheue Namensvetter ist aber nicht der einzige Star der Region: Genau HIER wurde Bonanza gedreht! Im legendären Vorspann sieht man den alten Landkartenausschnitt mit der Ponderosa Ranch am Lake Tahoe. Dann brennt die Karte ab und die vier Cartwrights reiten am See entlang. Gigantisch! Ponderosa ist übrigens eine dort heimische Kiefern-Art. Wieder was gelernt. 

Kein Baum, kein Haus: The Loneliest Road of America

Wir fahren an diesem Tag von Reno über Austin, Eureka bis nach Ely auf dem Highway 50. Hier erwartet uns die "Loneliest Road of America". Erlaubte Höchstgeschwindigkeit 70 Meilen pro Stunde. Kein Haus, kein Baum. Kühe, Rehe und auch Antilopen starren uns an. Rechts und links geschätzte vier Millionen Sagebrush-Sträucher, der silbrig-grau glänzende Wüstenbeifuß. Der Highway folgt der Route des ehemaligen Pony-Express, die ehemals schnellste Postverbindung in den USA.

Tipp: Den kostenfreien "Highway 50 Pass" erhält man in allen Orten an der Route. Dieser kann in allen anderen Städten gestempelt werden: So hat man  nicht nur einen Gratis-Guide auf dem Weg, sondern  auch ein Zertifikat, dass man die einsamste Straße Amerikas überlebt hat!

Das Gespenst im Hotel

Im Mizpah Hotel in Tonopah spukt es! Das historische Haus aus dem Jahr 1907 gehört zur Kette Historic Hotels in Amerika. In der 5. Etage soll einst das Freudenmädchen Rose von einem eifersüchtigen Liebhaber erdrosselt worden sein. Seitdem spukt sie im Hotel umher und hinterlässt Perlen ihrer zerrissenen Kette auf den Kopfkissen der Gäste - bevorzugt der Herren! Ich schlafe in diesem Hotel ganz hervorragend: Auch ohne Gespenst und Perlen.

Star Trek und schlechtes Wasser

Mitten in der Mojave Wüste liegt der tiefste Punkt Nordamerikas: Das Badwater Basin im Death Valley. Ganze 85 Meter liegt es unter dem Meeresspiegel. Und während neben mir ein Koyote über die Straße schlendert, staune ich über die Salz-Sechsecke, die sich über den ganzen Boden erstrecken. Unter der zerbrechlichen Kruste wabert eine salzige Suppe, die auch in der wasserarmen Region komplett ungenießbar ist: Daher der Name "Bad Water". Im Sommer erreicht das Thermometer hier an die 50°C. Kaum auszuhalten und doch findet jährlich genau hier der Bad Water Ultra-Marathon statt:  219 Kilometer durch Amerikas Glutofen. Unglaublich! Nach einem kurzen Foto-Stop freue ich mich schon wieder auf die Klimaanlage im Auto! 

Zabriskie Point

Für Kenner des 1970 hier gedrehten, gleichnamigen Hippie-Filmes ist dieser Ort ein Muss. Von diesem Aussichtspunkt sehe ich das Tal aus einer spannenden Perpektive: Bizarre Felsformationen, versteinerte Sanddünen und der schon vor Millionen Jahren ausgetrocknete Lake Manly. Bis zum "Bad Water" kann ich von hier schauen. Den Indianern war dieser Ort heilig und auch auf mich strahlt er eine gewisse Magie aus. Vielleicht hat deshalb auch die irische Rockband U2 die selbe Perspektive für ihr Cover der LP Joshua Tree verwendet. 

Der älteste und größte State Park Nevadas ist allerdings der "Valley of Fire State Park". Die roten Sandsteinformationen sind im Morgen- und Abendlicht atemberaubend schön. Die fast unwirkliche Landschaft wurde auch für Star Trek als Kulisse gewählt. Und um es noch dramatischer zu machen: Genau hier starb Captain Kirk 1994 in "Treffen der Generationen"! 

Vegas muss sein

Nach so viel Ruhe erscheint mir Las Vegas fast aufdringlich. Alles blinkt und bewegt sich. Das "Ping" der Geldspielautomaten ist allgegenwärtig und die vielen Menschen erst! Aber auch hier gewöhne ich mich schnell wieder um und bin ganz fasziniert von den tollen Hotels! Die Gondeln im Hotel The Venetian, die Wasserspiele vom Bellagio und die Vulkanshow vor dem The Mirage ziehen mich schnell in ihren Bann. Ein abendlicher Bummel über den Strip darf zum Abschluss nicht fehlen und dann heißt es: Bye Bye Nevada! 

Nevada ist wie eine Zeitreise: Der Geist vergangener Tage schlummert in allen Ecken des Silver State.
Ihre Christiane Mathea, Reisebüro FAHRENKROG Kronshagen, 0431 61100, cma@fahrenkrog.de

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Bildnachweise: Christiane Mathea und pixabay