ISO 31030 Risikomanagement - Umgang mit Reiserisiken, Leitfaden für Unternehmen

Angesichts des Risikos, dass jede Geschäftsreise vor dem Hintergrund einer Pandemie angenommen hat, hat sich bei Travel Managern ein stärkeres Bewusstsein für die Sorgfaltspflicht und ihre Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern eingestellt.


Auf und während Geschäftsreisen bestanden schon immer zahlreiche Reise-Risiken. Die entsprechende Fürsorgepflicht des Arbeitgebers ist gesetzlich festgeschrieben. Für Deutschland ist es § 618 BGB, der besagt, dass das Wohlergehen der Mitarbeiter zu schützen ist:


§ 618 Pflicht zu Schutzmaßnahmen

(1) Der Dienstberechtigte hat Räume, Vorrichtungen oder Gerätschaften, die er zur Verrichtung der Dienste zu beschaffen hat, so einzurichten und zu unterhalten und Dienstleistungen, die unter seiner Anordnung oder seiner Leitung vorzunehmen sind, so zu regeln, dass der Verpflichtete gegen Gefahr für Leben und Gesundheit so weit geschützt ist, als die Natur der Dienstleistung es gestattet.

(2) Ist der Verpflichtete in die häusliche Gemeinschaft aufgenommen, so hat der Dienstberechtigte in Ansehung des Wohn- und Schlafraums, der Verpflegung sowie der Arbeits- und Erholungszeit diejenigen Einrichtungen und Anordnungen zu treffen, welche mit Rücksicht auf die Gesundheit, die Sittlichkeit und die Religion des Verpflichteten erforderlich sind.

(3) Erfüllt der Dienstberechtigte die ihm in Ansehung des Lebens und der Gesundheit des Verpflichteten obliegenden Verpflichtungen nicht, so finden auf seine Verpflichtung zum Schadensersatz die für unerlaubte Handlungen geltenden Vorschriften der §§ 842 bis 846 entsprechende Anwendung.


Diese Sorgfaltspflicht gilt nicht nur für den Arbeitsplatz im Büro, sondern auch auf Geschäftsreisen. Leider findet die Fürsorgepflicht in Unternehmen nicht immer die Aufmerksamkeit, die sie eigentlich verdient hätte.


Im ersten Halbjahr 2021 soll nun eine neue ISO-Norm zum Umgang mit Reiserisiken veröffentlicht werden. Diese spiegelt das Fachwissen und die Erkenntnisse aller Aspekte des Reisesektors wider, was vor allem der Britischen 'Global Secure Accreditation' zu verdanken ist. Diese hat maßgeblich zur Einbindung des Business Travel Sektors beigetragen.

Der angestrebte Standard soll diejenigen unterstützen, die Geschäftsreisen verwalten oder daran teilnehmen. Es gibt viele Gründe, warum Menschen für ihre Organisation reisen. Das Reisen ist zunehmend zu einem alltäglichen Bestandteil der Arbeit geworden. Folglich müssen Organisationen ihrer "Duty of Care"-Verantwortung und anderen relevanten rechtlichen Verpflichtungen im Zusammenhang mit Reisen nachkommen.


Während die Risiken bei Geschäftsreisen weltweit exponentiell zunehmen, sind viele Sicherheits- und Geschäftsverantwortliche weder mit der sich schnell verändernden globalen Landschaft der Reiserisiken vertraut, noch sind sie sich der vielfältigen Risiken bewusst, denen ihre Unternehmen ausgesetzt sind, wenn sie ihren gesetzlichen Verpflichtungen - der "Sorgfaltspflicht" - zum Schutz ihrer Mitarbeiter vor vorhersehbaren Schäden nicht nachkommen, was ein Unternehmen in Form von hohen Geldstrafen, Produktivitätsverlusten, Geschäftsunterbrechungen, Aktienkursverlusten, Rechtsstreitigkeiten und sogar einem möglichen Bankrott kosten kann.


Verkehrsunfälle, Krankheitsausbrüche, Epidemien, Naturkatastrophen, Kriminalität, Terrorismus und andere Umstände können die Sicherheit und die Gesundheit von Reisenden bedrohen und sind somit ein Umstand, mit denen sich die Unternehmen beschäftigen müssen.


Das Management von Reiserisiken erfordert, dass Unternehmen das Potenzial von Ereignissen antizipieren und bewerten, Maßnahmen zur Risikominderung entwickeln und ihren Reisenden die zu erwartenden Risiken mitteilen. Die Beratung und Versorgung der Reisenden mit adäquaten medizinischen und Notfallanweisungen sowie Sicherheits- und IT-Sicherheitsvorkehrungen liegt in der Verantwortung der Unternehmen, jederzeit und bereits vor Reise-Antritt.


Mit dem ISO 31030 Standard können Organisationen vorsorgen und den gesetzlichen Anforderungen Genüge tun. Er basiert auf den Prinzipien der ISO 31000 – Risikomanagement und bietet eine detaillierte Beschreibung dieses systematischen und logischen Risikobewältigungs-Prozesses.

ISO definiert einen Risikomanagementrahmen (englisch: Risk Management Framework) als "einen Satz von Elementen, welche die Grundlagen und organisatorischen Modalitäten für die Gestaltung, Umsetzung, Überwachung, Überprüfung und kontinuierliche Verbesserung des Risikomanagements in der gesamten Organisation bilden."


Damit träg die ISO-Norm dem Umstand Rechnung, dass viele Unternehmen bereits Risiken in einem gewissen Ausmaß behandeln, es aber oftmals an Grundsätzen fehlt, die für ein wirkungsvolles Risikomanagement einzuhalten sind. Diese internationale Norm empfiehlt, dass Organisationen einen Rahmen entwickeln, umsetzen und laufend verbessern, um den Prozess für die Behandlung von Risiken besser in die allgemeinen Führungs-, Strategie- und Planungs-, Management- und Berichterstattungsprozesse einzubinden.


Reisebedingte Risiken stellen allerdings einen anderen Kontext dar und der bestehende Risikomanagementprozess einer Organisation muss möglicherweise angepasst werden, um dies zu berücksichtigen. Im Schadenfall können Sie beweisen, dass Sie Risikoereignisse nicht dem Zufall überlassen haben – was grundsätzlich somit auch einer Argumentation hinsichtlich grober Fahrlässigkeit als Ursache eines Schadensereignisses entgegenwirken kann.


Um Sie in der Sache auf dem Laufenden zu halten, habe ich in LinkedIn eine Gruppe eingerichtet.

Diese finden Sie hier: https://www.linkedin.com/groups/13969404/



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