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Geschäftsreisen und A1-Bescheinigungen – was ist das und wann brauche ich es?

Bereits seit 2010 (!) gilt: auch wer nur während einer Tagesreise in einem anderen EU-Mitgliedsstaat einer Beschäftigung nachgeht, muss die sog. A1-Bescheinigung mit sich führen.

Das kann das gesamte Projekt zum Kippen bringen: Der unter schwierigsten Bedingungen koordinierte Montagetermin im Ausland platzt, weil den aus Deutschland eingeflogenen MitarbeiterInnen der Zutritt ins Werk verweigert wird. Und das allein, weil sie keine A1-Bescheinigungen vorlegen konnten. Eventuell müssen Sie und Ihre MitarbeiterInnen ein Bußgeld zahlen oder doppelt Beiträge zur Sozialversicherung abführen.


Was genau ist eine A1-Bescheinigung?

Die genaue Bezeichnung lautet „Bescheinigung über die anzuwendenden Rechtsvorschriften (A1)“

Hintergrund ist die EU-Verordnung (EG) Nr. 883/2004 über soziale Sicherheit. Die Verordnung koordiniert die Sozialversicherungssysteme der Mitgliedsstaaten der Europäischen Union. Sie gilt für alle EU-Länder, außerdem für Island, Liechtenstein, Norwegen und die Schweiz.


Wann brauche ich eine A1-Bescheinigungen?

Seit dem Inkrafttreten, muss jeder, der in einem EU-Mitgliedsstaat vorübergehend einer Beschäftigung nachgeht, eine sogenannte A1-Bescheinigung mitführen, egal, wie lange er dort tätig ist.


Wer braucht die A1-Bescheinigungen?

Sowohl Angestellte als auch Selbstständige, egal ob sie nur einige Stunden oder mehrere Tage/Wochen vor Ort bleiben. Im sozialversicherungsrechtlichen Sinn handelt es sich bei allen Personaleinsätzen im Ausland um eine Entsendung – und damit wird eine A1-Bescheinigung benötigt.


Woher bekomme ich eine A1-Bescheinigungen?

Seit Januar 2019 müssen die A1-Bescheinigungen

  • Angstellte diese bei Ihrer gesetzlichen Krankenkasse

  • privat versicherte, die kein Mitglied in einem Versorgungswerk sind, bei der Deutschen Rentenversicherung

  • elektronisch (bspw. über Lohnabrechnungsprogramme oder über sv.net (www.itsg.de/produkte/sv-net/)

beantragt werden.

Die Erstellung kann bis zu drei Tage dauern, ein Ausdruck ist seit 2021 nicht mehr erforderlich.


Was, wenn ein reisender ohne A1-Bescheinigung erwischt wird?

Seit 2019 wird verstärkt kontrolliert. Am strengsten laut einer KPMG-Umfrage in Frankreich, Österreich, die Schweiz und Rumänien, die Strafen sind unterschiedlich:

  • Frankreich 3.269€ pro MitarbeiterIn

  • Österreich zwischen 1.000 und 10.000 Euro

  • Andere Länder verhängen bisher eher keine Bußgelder, erheben aber für jeden Tag, an dem eine Tätigkeit ausgeübt wird, Sozialversicherungsbeiträge.

Muss ich pro Reise einen Antrag auf den Weg bringen?

Übt jemand regelmäßig an mindestens einem Tag im Monat oder an mindestens fünf Tagen im Quartal eine Beschäftigung in mehreren Mitgliedstaaten aus, kann eine A1-Bescheinigung bei der Deutschen Verbindungsstelle Krankenversicherung Ausland (DVKA) beantragt werden. Die A1-Bescheinigung gilt dann für einen längeren Zeitraum - bis zu fünf Jahren.


Kann ich das einfacher haben?

Ja. Bitte sprechen Sie mich an.


Weitere Informationen:

EU-Verordnung (EG) Nr. 883/2004: Verordnung zur Koordinierung der Systeme der sozialen Sicherheit

https://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=OJ:L:2004:166:0001:0123:de:PDF


HAUFE Verlag - A1-Verfahren für stundenweise und längerfristige Entsendung

https://www.haufe.de/personal/entgelt/a1-verfahren-das-wichtigste-zum-melderecht/a1-verfahren-fuer-stundenweise-und-laengerfristige-entsendung_78_512044.html


impulse-Magazin: A1-Bescheinigung - Dienstreise ohne Entsendebescheinigung? Das kann teuer werden

https://www.impulse.de/recht-steuern/rechtsratgeber/a1-bescheinigung/7342879.html


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