Schneelos in Aspen

Enrica Zeri erstaunt in Colorado

Das hatte ich wirklich nicht erwartet! Wir standen im amerikanischen Winter auf der Straße und ließen unbefriedigte Blicke über die Umgebung schweifen, bevor wir einander ansahen.

War das wirklich Aspen?  War das wirklich der gleiche Ort wie vor drei Jahren? Das Aspen, das als die Ski-Adresse Nr. 1 der gesamten USA galt? Wo Leute aus der ganzen Welt hinreisten, um auf makellos weißen, breiten Pisten diesem Sport zu frönen? „Was ist denn hier passiert?“ Ich ließ mein Gepäck fallen. Doch anstatt eines dumpfen Aufpralls auf einer weich gefederten Schneedecke, die meine Tasche sanft auffing, erklang ein harter Schlag von Koffer auf Stein. 

„Klimawandel“, brummte mein Freund. Um uns herum befanden sich wie im letzten Urlaub auch die für Aspen typischen charmanten, roten Ziegelhäuser im viktorianischen Stil, die auf drei Seiten von imposanten Skibergen umgeben, eine atemberaubende Kulisse boten. Mit einem einzigen Unterschied – denn diesmal lag hier kaum ein Flöckchen Schnee. Ein paar kümmerliche weiße Überbleibsel waren geblieben, auf die eine strahlende Sonne schien und dem Szenario sommerliches Feeling verlieh. Lediglich die Bergesspitzen am Horizont blitzten silbrig-weiß.

Aspen ohne vernünftigen Schnee – ja, hatte es so was schon mal gegeben? Wehmütig gedachte ich des märchenhaften Winter-Wonderlands, das ich beim letzten Mal erlebt hatte. Wo man bei jedem Schritt tief durch den Schnee stapfen musste. So hatte Aspen mir gefallen. 

Das Dilemma hatte schon auf dem Hinflug begonnen. Dank einer einstündigen Verspätung unserer Maschine hatten  wir auch gleich unseren Anschlussflug verpasst. Die Schlange zur Sicherheitskontrolle, in die wir endlich nach geglückter Zwischenlandung gerieten, war so lang, dass wir fast Gefahr liefen, auch noch den Weiterflug nach Aspen zu verpassen. Mit uns warteten natürlich Leute aus aller Welt, weinende Kinder, Sportler, rüstige Rentner.  „Wird dort wohl ziemlich ausgebucht sein.“ murmelte ich. „Noch mehr als vor drei Jahren.“  „Mhm.“, lautete die wortlose Zustimmung meines Freundes. Natürlich würde Aspen gut besucht sein, schließlich genießt es – nicht unberechtigt – weltweit einen Ruf als Wintersportort der Sonderklasse. 

Doch offenbar hatte sich das mit dem fehlenden Schnee bei anderen Leuten schneller herumgesprochen, als es bei uns der Fall gewesen war. Wir wurden erst bei unserer Ankunft vor Ort mit einem gähnend leeren Aspen konfrontiert. Ich kam mir vor, als ob ich etwas elementar Wichtiges nicht mitbekommen hatte, von dem aber schon alle anderen längst Bescheid wussten. Jedenfalls lag das Villenviertel, das wir am nächsten Tag durchliefen, leer und ausgestorben vor uns. Wo sich sonst die Reichen und Schönen oder sogar der ein oder andere Promi wie Charlie Sheen oder Cameron Diaz blicken ließen, war absolut tote Hose. Scheinbar unbewohnt ragten die wuchtigen Gebäude nebeneinander auf. Auch auf der Piste regierte die Ereignislosigkeit. Die vielen deutschen Touristen vom letzten Urlaub blieben aus. Der Rest der spärlichen Gesamtheit bestand hauptsächlich aus Skandinaviern. 

Trotz alledem konnten wir in Aspen - verlassen von Schnee und Menschen - einen tollen, sogar einen außergewöhnlichen Skiurlaub verbringen.

Shoppen in leeren Geschäften, im Restaurant immer den Platz direkt am Fenster und kein Anstehen am Skilift. Obwohl es seit drei Wochen nicht geschneit hatte und die strahlende Sonne ihr übriges tat, war ich bei unserer ersten Abfahrt positiv überrascht. Nicht ganz die Schnee-Qualität, die ich gewohnt war, aber Spaß machte es trotzdem. Jedenfalls auf den höheren Pisten: In den niederen Gebieten fuhr man dann eher Wasserski.  Aber auch das hatte natürlich etwas... 

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Bildnachweise: Aspen Gondel: Fotolia©Krzysztof Wiktor; Enrica Zeri, pixabay